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Krankenhaus-Studie: Beschwerdemanagement - Anspruch und Wirklichkeit

Patientenzufriedenheit ist wichtig. Dies bestätigt die große Mehrzahl deutscher Klinik-Führungskräfte. Doch wie sieht die Praxis aus? Eine Studie des Marketing-Lehrstuhls der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und des Ulmer Unternehmens Inworks förderte Überraschendes zutage.

Für Krankenhäuser wird Patientenzufriedenheit immer mehr zum Erfolgsfaktor. Damit rückt zugleich das Thema "Beschwerdemanagement" als Aufgabe des Qualitätsmanagements in den Blick. Soviel zur Theorie. Aber wie läuft es tatsächlich ab in deutschen Krankenhäusern? Der Marketing-Lehrstuhl der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und die Inworks GmbH in Ulm wollten es wissen. Im Zeitraum von Mai bis Juli 2007 schrieben die Studienverantwortlichen 1.401 Führungskräfte deutscher Kliniken zum Thema "Patientenzufriedenheit und Patientensicherheit" an. Mit 285 Antworten betrug die Rücklaufquote 20,34 Prozent.

"Zunächst wollten wir wissen, was aus Sicht des Krankenhausmanagements zur Zufriedenheit der Patienten beiträgt", berichtet Carolin Clausen, Projektleiterin der Studie an der Heinrich-Heine-Universität. Acht von zehn Krankenhausmanagern (81,1 Prozent) glauben, dass die Zuwendung durch das Personals zu zufriedenen Patienten führt. Ferner waren rund zwei Drittel der befragten Klinikmanager der Auffassung, Information und Aufklärung (66,3 Prozent) und Unterbringung und Verpflegung (63,5 Prozent) trügen zur Patientenzufriedenheit bei. Von der Bedeutung der hauseigenen Kompetenz ist die Hälfte (52,3 Prozent) der Manager überzeugt. "In diesem Punkt" so Carolin Clausen, "bestätigt die Studie im Wesentlichen die Ergebnisse anderer Untersuchungen."

Und wie sieht es bei den Patienten aus, die unzufrieden sind? Oliver Zwirner, Geschäftsführer des Beschwerdemanagement-Spezialisten Inworks, weiß aus eigenen Untersuchungen, dass unzufriedene Patienten überdurchschnittlich oft von ihren negativen Erfahrungen berichten. "Jedoch", Oliver Zwirner, "wenn es gelingt, Patienten über ein effektives Beschwerdemanagement zufrieden zu stellen, dann werden sie geradezu zu Botschaftern für das Krankenhaus oder Unternehmen."

Doch ein Blick auf die Zahlen zeigt: Anspruch und Wirklichkeit klaffen beim Umgang mit Beschwerden weit auseinander. Carolin Clausen: "Unzufriedene Patienten scheinen die Krankenhäuser nicht wirklich zu tangieren. Denn lediglich 18,9 Prozent der Befragten setzen eine spezielle Software zum Management von Beschwerden ein, alle anderen arbeiten mit veralteten Methoden, meist auf Papier oder mit Excel. Diese Dokumentationsform lässt ein systematisches Beschwerdemanagement in einer solch komplexen Organisationsumgebung wie bei Krankenhäusern jedoch eigentlich gar nicht mehr zu."

Ähnlich sieht die Situation in der Handhabung von kritischen Zwischenfällen und Beinahe-Fehlern aus. Hier arbeiten nur 16,5 Prozent der Befragten mit einer Software-Lösung. "Hier muss und wird sich etwas tun", ist sich Carolin Clausen sicher. "Jedenfalls dann, wenn wir das Bekenntnis der Befragungen zum Beschwerde- und Fehlermanagement ernst nehmen wollen." Denn drei Viertel aller Befragten schätzen die praktische Relevanz von Beschwerde- und Fehlermanagement in der Zukunft als hoch ein (Beschwerdemanagement: 39 Prozent sehr hoch, 36.1 Prozent eher hoch; Fehlermanagement: 44,9 Prozent sehr hoch, 29,5 Prozent eher hoch).


Ulm / Düsseldorf, 05.11.2007


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