CIRS & Risikomanagement
Fehler passieren überall. Auch und besonders in so komplexen Organisationen wie in Krankenhäusern. Nur ist dort das Fehlerpotential
nicht nur reichhaltig sondern oft auch mit schwerwiegenden Konsequenzen verbunden. Handschriftliche Anweisungen werden falsch
entziffert, eine Anordnung zum Absetzen einer Therapie wird überlesen, Medikations- und Behandlungsfehler geschehen. Das Risiko ist groß.
Denn letztendlich geht es um die Sicherheit der Patienten und den Ruf der Klinik.
Kein Fehler ohne Ursache
Die oft dünne Personaldecke, Kommunikations- und Organisationsprobleme, hohe Arbeitsbelastung und Schnittstellenproblematiken in der
Behandlungs- bzw. Versorgungskette bieten eine große Angriffsfläche für Fehlerhäufungen. Doch viele Fehler kommen nie ans Tageslicht
weil oft nicht nach der Ursache gefragt wird, sondern nur nach dem Schuldigen. So erscheint ein systematischer Fehler fälschlicherweise
als persönliches Verschulden des Arztes. Aber im Gegensatz zu einer offenen Fehlerkultur bergen Schuldzuweisungen keinerlei Nutzen.
Prävention statt Vergangenheitsbewältigung
Würde man die Fehlervermeidungsstrategien nur auf die Basis von bereits einmal eingetretenen Fehlern stellen, so müsste man jeden Fehler
mindestens einmal begehen. Das kann nicht sinnvoll sein. Erst durch die Einbeziehung von Beinahe-Fehlern, also Fehlersituationen, die gerade
noch einmal abgewendet werden konnten, erhält das Fehlermanagement seinen ausgeprägten präventiven Charakter. Als Frühwarnsystem wird es dann
der wesentliche Bestandteil eines Risikomanagements.
Und: schwere Zwischenfälle sind zum Glück relativ selten. Aber kritische Ereignisse werden fast immer durch das Zusammenspiel mehrerer
Faktoren verursacht. Da Beinahe-Fehler weit häufiger auftreten als Fehler, leistet deren Dokumentation einen großen Beitrag zum besseren
Verständnis dieser Faktoren. Beinahe-Fehler sind somit von unschätzbarem Wert für die Einschätzung und Begrenzung von zukünftigen Risiken.
CIRS - Critical Incident Reporting System
CIRS ist die methodische Erfassung und Auswertung von kritischen Zwischenfällen (Critical Incident). Mit dem Ziel der Fehlerprävention.
Die Meldung eines kritischen Zwischenfalls erfolgt freiwillig und anonym mittels eines geeigneten Informationssystems durch alle Mitarbeiter
im Krankenhaus.
Kritische Zwischenfälle sind Fehler oder Beinahe-Fehler, die zu einem Personen- oder Sachschaden geführt haben bzw. geführt hätten. Ereignisse,
die hingegen eine missbilligende Reaktion eines Patienten oder Angehörigen zur Folge hatten, können je nach detaillierter Sachlage entweder
dem CIRS oder dem Beschwerdemanagement oder gar beiden zugeschrieben werden. Dieser Problematik kann mit einem ganzheitlichen Informationssystem
begegnet werden, welches einfach beide Disziplinen beherrscht.
Dezentrale Erfassung - zentrale Auswertung
Wesentliches Element des CIRS ist die anonyme Erfassung der Zwischenfälle vor Ort. Dabei werden üblicherweise u.a. Fallbeschreibung, Uhrzeit,
Ereignisort, Berufsgruppe und Arbeitsbelastung des Verursachers dokumentiert. Obligatorisch ohne jene Details, die den Patienten oder den Reporter
identifizieren könnten. Fehler, Beinahe-Fehler, deren Risiken und Vermeidbarkeit werden nach einem auf die Bedürfnisse des Krankenhauses
zugeschnittenem Schema klassifiziert. Auf dieser Basis zentral ausführbare Analysen liefern den Input für Korrektur- und Verbesserungsmaßnahmen,
für die Anpassung und Optimierung von Prozessen. Sprich für die Risikovermeidung.
Warum CIRS?
CIRS schafft Wissen über Risiken, welches andere Informationssysteme nicht zur Verfügung stellen können und ist damit ein zentrales Element
des Risikomanagements. Wer Risiken erkennt und Fehler vermeidet, verringert Fehlerkosten und steigert die Qualität und Patientensicherheit.
Das Krankenhaus ist dadurch konkurrenzfähig und für Patienten und Mitarbeiter attraktiv. Eine Situation, in der jeder gewinnt. Das hat auch
der deutsche Ärztetag erkannt, der die Entwicklung und Implementierung von Fehlervermeidungsstrategien in der medizinischen Versorgung begrüßt.
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